Inhalt:
01/2011 SBHprofessional Nachrichten
Die Fachstelle SBHprofessional der Sehbehindertenhilfe Basel freut sich, Sie ab heute mittels dieses Newsletters zweimal jährlich über Angebote und Neuigkeiten zum Thema berufliche Eingliederung für Menschen mit einer Sehbehinderung informieren zu können.
Dieser Newsletter möchte Ihnen dabei behilflich sein, immer auf dem neusten Stand zu bleiben, was die aktuellen Angebote, Entwicklungen und Herangehensweisen von SBHprofessional angeht. Wir werden Sie auch gerne über laufende Projekte, relevante Publikationen und interessante Veranstaltungen informieren. Viel Spass bei der Lektüre!
Sollten Sie den Newsletter nicht wünschen, können Sie sich jederzeit hier abmelden.
Themen Juni
SBHprofessional
Die Sehbehindertenhilfe Basel hat sich neu aufgestellt. Durch den Zusammenschluss der bisherigen Ressorts „Ausbildung und Umschulung“ (A+U) sowie „Informatikhilfsmittel und Training“ (I+T) ist im Herbst 2010 ein neues Dienstleistungs-Kompetenzzentrum für Beruf und Ausbildung in der Schweiz entstanden: SBHprofessional
Wir fördern Menschen mit einer Sehbehinderung darin, ihre Einschränkungen im Alltag zu überwinden, ihr Leben möglichst selbstbestimmt zu gestalten und beruflich integriert zu bleiben. Dazu unterstützen und begleiten wir sie bei ihrer beruflichen Erstausbildung, klären die individuellen Situationen ab, bereiten Umschulungen gezielt vor oder helfen Berufstätigen mit gezielten Aktionen, damit sie ihren angestammten Beruf nach Möglichkeit weiter erfolgreich ausüben können.
Dazu bedarf es eines abgestimmten Massnahmenpaketes. Gerne stehen wir Ihnen dabei rat- und tatkräftig zur Seite. Unsere schweizweit einzigartigen und umfangreichen Dienstleistungen gliedern sich in drei Angebotskategorien: Abklärungsangebote, Ausbildungsangebote und Unterstützungsangebote, die wir in diesem und in kommenden Newslettern vorstellen möchten. Gerne dürfen Sie sich schon heute über SBHprofessional auf unserer neuen Homepage informieren!
Sehbehindertentechnische Grundschulungen
Training der Hilfsmittel
Wenn aufgrund einer Sehbehinderung die Arbeit am PC oder mit Papierdokumenten zunehmend anstrengender und langsamer wird oder bei Vorträgen die Präsentationen auf der Leinwand nicht mehr genau gesehen werden, ist eine rasche Ausrüstung mit Hilfsmitteln und deren Einführung notwendig. Während bei einer eher leichteren Sehbehinderung eine arbeitsplatzbezogene Kurzschulung genügt, ist bei schwereren Sehbehinderungen aufgrund des hohen Trainingsaufwandes die Absolvierung einer sehbehindertentechnischen Grundschulung angezeigt.
Im Rahmen dieser Dienstleistung werden mit den sehbehinderten Personen geeignete Hilfsmittel und kompensatorische Arbeitstechniken abgeklärt, im Alltag auf deren Tauglichkeit getestet und gezielt trainiert. So erfordert z.B. die effiziente Arbeit mit einer höheren Vergrösserung oder mit der auditiven Entlastung durch die Sprachausgabe am PC einen längeren Angewöhnungs- und Automatisierungsprozess. Kompensatorische Arbeitstechniken wie die sehbehindertengerechte Bedienung des PC mit Tastaturbefehlen anstatt mit der Maus und eine Tastaturbedienung ohne visuelle Kontrolle bedingen häufig ein längeres Training.
Begleitung durch spezialisierte Fachleute
Spezialisierte Fachleute aus verschiedenen Bereichen bieten im Rahmen der sehbehindertentechnischen Grundschulung eine kompetente und zielgerichtete Begleitung an und ermöglichen zudem einen bereichernden Austausch unter den sehbehinderten Teilnehmern aus den verschiedensten beruflichen Situationen. Die Grundschulung wird quartalsweise mit einer individuellen Dauer in einer Vollzeit- und in einer Teilzeitversion angeboten. Währenddem die Teilzeitvariante auf Personen mit Familie oder auf eine parallele Berufstätigkeit ausgerichtet ist, ermöglicht die Vollzeitvariante eine intensivere Schulung, die auch eine Vertiefung von berufswahlrelevanten Fachgebieten (z.B. Computer- oder Sprachkenntnisse) ermöglicht. Bei entsprechender Eignung kann die Grundschulung zudem mit anerkannten Zertifikaten abgeschlossen werden.
Konkret: Vanessa F.
Haben wir Ihr Interesse geweckt? In unserem nächsten Beitrag zeigen wir Ihnen am Beispiel einer jungen Frau auf, wie ein Weg über die sehbehindertentechnische Grundschulung zurück an den Arbeitsplatz führen kann.
Weitere Informationen
Für weitere Angaben zur Dienstleistung beachten Sie bitte unser Factsheet oder kontaktieren Herrn Chudozilov vom Intake der SBHprofessional.
Konkret: Vanessa F.
Diagnose Multiple Sklerose (MS)
Vanessa F. ist eine sympathische junge Frau, die früh mit einer schwierigen Situation konfrontiert wurde: Im Jahr 2000 wurde bei ihr Multiple Sklerose (MS) diagnostiziert. Trotz der Diagnose setzte sie ihre begonnene kaufmännische Ausbildung in der Baumaschinenbranche fort und konnte nach dem Abschluss in ihrem Ausbildungsbetrieb eine Arbeitsstelle im Sekretariat antreten.
Im Jahr 2006 reduzierte sich durch ihre Grunderkrankung auf einem Auge die Sehleistung stark, im Folgejahr verlor sie auf dem anderen Auge das Sehvermögen praktisch ganz. Vanessa F. konnte nicht mehr arbeiten und blieb zuerst zwei Monate krankgeschrieben zuhause, bevor mit dem Arbeitgeber und der IV ein Lösungsansatz gesucht werden konnte.
Sehbehindertentechnische Grundschulung
Im August 2008 begann Vanessa F. bei der SBHprofessional eine sehbehindertentechnische Grundschulung. Da wegen ihrer Grunderkrankung ihre Leistungsfähigkeit eingeschränkt war, wurde mit ihr ein individuelles Teilzeitprogramm zusammengestellt. Während eines Jahres absolvierte sie Schulungen von kompensatorischen Arbeitstechniken am PC und mit Papierdokumenten. Dabei hat sie sich insbesondere die sehbehindertengerechte Anwendung von Windows und Office mit der Vergrösserungssoftware Zoomtext und der unterstützenden Sprachausgabe sowie die PC-Bedienung mit Tastaturbefehlen anstatt mit der Maus erarbeitet.
„Es war für mich eine grosse Umstellung mit der Vergrösserungssoftware und mit Tastaturbefehlen arbeiten zu müssen“, sagt sie heute. „Nach einem Jahr war ich aber überrascht, dass ich genau so schnell in der Anwendung der Programme bin wie früher, vor meiner Sehbehinderung.“
Hilfsmitteltraining
Da nach Abschluss der sehbehindertentechnischen Grundschulung eine Rückkehr an den früheren Arbeitsplatz aus betrieblichen Gründen nicht mehr möglich war, ermöglichte die IV Vanessa F. die Absolvierung eines Praktikums in einer praxisnahen Institution, die sehbehindertentechnisch von der SBHprofessional begleitet wurde. „Ich war sehr froh, dass ich an dem Praktikumsplatz die erlernten Fähigkeiten so trainieren konnte, dass ich wieder meine alte Arbeitsleistung vor der Sehbehinderung erreichen und mich auch langsam an den Arbeitsalltag gewöhnen konnte“ sagt sie dazu.
Wieder am Arbeitsplatz
Heute arbeitet Vanessa F. wieder in der Administration einer Baufirma – aus medizinischen Gründen zu 50% - an einem von der SBHprofessional individuell angepasstem Arbeitsplatz. Anfänglich als Aushilfe angestellt, überzeugte sie den neuen Arbeitgeber mit ihrer guten Leistung dermassen, dass ihre Stelle nach drei Monaten in eine Festanstellung umgewandelt wurde. Ihre Sehbehinderung ist bei der Arbeit aber nur am Rande ein Thema, einige KollegInnen sind neugierig und fragen, andere sind zurückhaltender. „Wenn sie aber sehen, dass ich alle Arbeiten selbständig erledigen kann, vergessen sie auch manchmal, dass ich sehbehindert bin“ fügt sie hinzu.
Hoffnung und Durchhaltewillen
Und was empfiehlt Vanessa F. Menschen, die eine Absolvierung der sehbehindertentechnischen Grundschulung ins Auge fassen? „Die Hoffnung nicht aufgeben! Es braucht Zeit und am Anfang ist man langsam, aber man kann alles lernen. Es braucht einfach Zeit und Durchhaltewillen. Es war für mich ein grosser Schritt, die Grundschulung überhaupt anzufangen und mich mit meiner Sehbehinderung auseinanderzusetzen. Heute bin ich aber froh, diesen Schritt gemacht zu haben!“

