Inhalt:
01/2012 SBHprofessional Nachrichten
Danke, dass Sie sich für den Newsletter von SBHprofessional interessieren. Schon der erste seines Namens wurde mehrere hundert Mal aufgerufen, was uns gezeigt hat, dass das Thema berufliche Eingliederung für Menschen mit einer Sehbehinderung bei Betroffenen und Begleitenden im Sehbehindertenwesen gleichermassen im Fokus steht.
Es zeigt sich immer wieder, dass auf dem Weg der beruflichen Eingliederung ein Zusammenspiel von vielen Organisationen und Institutionen vonnöten ist, die partnerschaftlich auf ein bestimmtes Ziel hin zusammenarbeiten. Bei diesem Prozess spielen praktisch alle Organisationen des Sehbehindertenwesens zum einen oder anderen Zeitpunkt eine wichtige Rolle spielen.
Bei diesem zweiten Newsletter soll es vornehmlich um die berufliche Eingliederung von jungen Erwachsenen mit einer Sehbehinderung gehen. Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen bei der Lektüre!
Es grüsst Sie
Gregor Wadenpohl – Leiter SBHprofessional
Themen März 2012
SBHprofessional - Ein Meilenstein für junge Erwachsene
Der Wechsel von der Schul- in die Berufswelt ist für alle jungen Erwachsenen eine Herausforderung. Aus eigener Erfahrung wissen wir, dass die Berufswelt andere Realitäten aufweist, neue Anforderungen stellt und für jeden Schulabgänger einen markanten Bruch im Vergleich zur bisherigen Lebensführung darstellt.
Was schon für Sehende oftmals schwierig ist, gestaltet sich für den jungen Menschen mit einer Sehbehinderung nochmals verschärft. SBHprofessional stellt sich dieser Herausforderung mit speziell auf junge Leute zugeschnittenen Angeboten.
Wichtig für uns ist es, den Schulabgängern Wege und Möglichkeiten aufzuzeigen, wie sie aufgrund einer realistischen Einschätzung den weiteren Berufs- und Lebensweg möglichst selbstbestimmt und den individuellen Neigungen entsprechend gestalten können. Dieser individuelle Weg muss den Realitäten der Berufswelt mit seinen zahlreichen Stolpersteinen für Sehbehinderte standhalten. Darauf bereiten unsere Angebote gezielt vor, im Sinne einer gelungenen erstmaligen beruflichen Ausbildung und eines Berufsweges, der unnötige Brüche nachhaltig vermeidet.
Unsere Angebote für junge Erwachsene:
- Vorbereitung auf berufliche Erstausbildung
- Basisjahr Medizinische Massage
- Sehbehindertentechnische Unterstützung
Im Weiteren soll das erstgenannte Angebot näher beschrieben werden.
Vorbereitung auf berufliche Erstausbildung
Erweiterung der Hilfsmittelpalette
Wie auch bei anderen Angeboten steht die Sehbehindertentechnische Grundschulung im Mittelpunkt. Die jungen Nutzer dieses Angebotes verfügen häufig schon aus ihrer Schulzeit über Kenntnisse in der Hilfsmittelbedienung. Daher ist es uns wichtig, dass sie ihr Hilfsmittelrepertoire und ihre kompensatorischen Arbeitstechniken erweitern können und so in der Lage sind, Aufgaben zu lösen, die sich aus ihrem Berufs- und Ausbildungsalltag ergeben. Dabei achten wir besonders auf Realitätsnähe, das bedeutet, dass wir die gestellten Aufgaben gerade nicht im grossen Stile aufbereiten. Im Weiteren steht die fachliche Vorbereitung im Fokus. Dabei werden die jungen Leute sowohl fachlich-inhaltlich wie auch im Gebrauch von Lehrmitteln gezielt geschult.
Förderung der Basisqualifikationen
Fachleute für berufliche Integration sind sich einig: Neben den fachlichen Fähigkeiten und den kompensatorischen Fertigkeiten spielen die Basisqualifikationen eine entscheidende Rolle für eine gelungen berufliche Integration. Im Rahmen unseres Angebotes werden Sozialkompetenz, Selbstkompetenz und Methodenkompetenz gezielt gefördert. Dies lässt sich nicht mit klassischer Wissensvermittlung bewerkstelligen. Deshalb lassen wir den jungen Leuten bewusst viel Raum bei der Entwicklung ihres Berufsprojektes, wir bringen sie in Situationen, in denen sie selbst aktiv sein müssen und reflektieren dies regelmässig mit Ihnen.
Für Menschen mit einer Sehbehinderung ist es zudem wichtig, dass sie selbst zu Experten für ihre Sehbehinderung werden. Dies kann bei Vorstellungsgesprächen matchentscheidend sein, denn dies ist nicht nur ein Zeugnis für Reife, sondern zeigt dem zukünftigen Arbeitgeber auch, wo Stärken und Schwächen liegen und wie Letztere kompensiert werden können.
Konfrontation mit den Realitäten
In der Zeit der Vorbereitung auf die berufliche Erstausbildung steht natürlich auch die Erhärtung des Berufswunsches im Zentrum. Das bedeutet für die jungen Leute, dass wir einerseits ihre fachliche Eignung für den gewünschten Beruf überprüfen und dies andererseits durch Schnupper- und praktische Trainingseinsätze im Berufsfeld erhärten.
Zu dieser Konfrontation mit den Realitäten gehört zudem ein Bewerbungstraining, welches die Kandidatinnen und Kandidaten auf zukünftige Vorstellungsgespräche und Bewerbungsverfahren vorbereitet.
Umgang mit der Doppelbelastung
Ausbildung und Beruf – das bedeutet für junge Erwachsene auch immer einen neuen Lebensabschnitt mit selbstständigem Wohnen. Dies ist für Menschen mit einer Sehbehinderung häufig mit einem hohen Aufwand verbunden und zusätzlich belastend. Bei diesem Thema kooperieren wir seit einigen Jahren mit dem Bürgerspital Basel. In einer betreuten Wohngruppe leben dort junge Auszubildende für die Dauer ihrer Ausbildung zusammen und werden von agogisch und pädagogisch ausgebildeten Betreuungsteams auf dem Weg zur persönlichen Selbstständigkeit, Eigenverantwortung und beruflichen Identität begleitet.
Weitere Informationen
Für weitere Angaben zur Dienstleistung beachten Sie bitte unser Factsheet oder kontaktieren Herrn Chudozilov vom Intake der SBHprofessional.
Konkret: Interview mit Willi Fäh (B+U-Lehrer)
Das Interview mit Willi Fäh soll Ihnen unser Angebot illustrieren:
Willi Fäh arbeitet als Lehrer für Beratung und Unterstützung bei der obvita in Sankt Gallen an der anspruchsvollen Aufgabe, sehbehinderte Kinder und Jugendliche in die öffentliche Schule zu integrieren und den Übertritt in die berufliche Ausbildung vorzubereiten.
Frage:
Welche Problemstellungen gibt es für die Jugendlichen beim Übertritt in die berufliche Ausbildung?
Willi Fäh:
Beim Übertritt in die berufliche Ausbildung, werden an Jugendliche viele neue Herausforderungen gestellt, welche oft auch Problemstellungen ergeben:
Neuer Arbeitsweg, neues Team, neuer Arbeitsplatz, neue Aufgaben, neue PC-Programme, neue Arbeitszeiten etc.
Ideal ist eine Einarbeitungszeit, z.B. drei Monate vor Ausbildungsbeginn, damit sich die Jugendlichen und der Ausbildungsbetrieb einarbeiten können. In dieser Zeit können auch Problemstellungen oder Defizite angegangen und bearbeitet werden.
Die Einarbeitungszeit im Ausbildungsbetrieb hat auch den Vorteil, dass sich die Jugendlichen dann bei Ausbildungsbeginn vermehrt auf die neuen Bedingungen und Anforderungen der Berufsschule konzentrieren können.
Frage:
Warum brauchen manche junge Leute den Zwischenschritt bei SBHprofessional?
Willi Fäh:
Der Zwischenschritt bei SBHprofessional ermöglicht es den Jugendlichen, Defizite aufzuarbeiten und die Anwendung sehbehindertenspezifischer Arbeitstechniken gemäss den Anforderungen der Berufswelt zu erlernen.
Die Arbeitswelt setzt diese Fähigkeiten schon zu Beginn einer beruflichen Ausbildung voraus. Die sehbehindertenspezifischen Arbeitstechniken können nicht noch zusätzlich zum anderen Lernstoff des Ausbildungsbetriebes und der Berufsschule während der beruflichen Ausbildung erlernt werden, sondern müssen vor dem Ausbildungsbeginn sicher angewendet werden können.
Frage:
Wie beurteilen Sie die Qualität der Vorbereitung auf die berufliche Erstausbildung bei SBHprofessional?
Willi Fäh:
Ich arbeite mit zwei jungen Erwachsenen, welche bei SBHprofessional auf die berufliche Erstausbildung vorbereitet wurden.
Beide sind jetzt in der beruflichen Erstausbildung, der junge Mann im ersten Lehrjahr KV Profil E und die junge Frau im dritten Lehrjahr KV Profil B. Beide sind in der Ausbildung, sowohl in der Berufsschule, wie auch im Ausbildungsbetrieb, sehr erfolgreich unterwegs.
Ich lernte beide Personen kennen, nachdem sie die Vorbereitung auf die berufliche Erstausbildung bei SBHprofessional besucht hatten, und begleite sie seither als Lehrer für Beratung und Unterstützung (B+U).
Sehr deutlich kann ich sagen, dass dieser geglückte Einstieg in die erstberufliche Ausbildung nur dank SBHprofessional möglich war. Die individuelle sehbehindertentechnische Schulung hat beiden Auszubildenden die notwendigen Kompetenzen gegeben, damit sie in der Arbeitswelt bestehen konnten.
Frage:
Inwiefern profitieren die jungen Leute von ihrem Aufenthalt in Basel?
Willi Fäh:
Ich erachte es als sehr wertvoll, dass die Schulungen in Basel, individuell, den Bedürfnissen der einzelnen Personen angepasst werden.
Ebenso wichtig ist der Ausblick auf zukünftige Ausbildungswege. So können die Schwerpunkte in der Schulung auch entsprechend gesetzt werden.
Frage:
Wie haben Sie die Zusammenarbeit mit SBHprofessional erlebt?
Willi Fäh:
Ich erlebte die Zusammenarbeit mit SBHprofessional als sehr kooperativ. Bereits vor Beginn der Einarbeitungszeit im Ausbildungsbetrieb erfolgte ein Gespräch mit SBHprofessional, Ausbildungsverantwortlicher, Vertretung des Lehrlingsamtes, IV-Berufsberatung, Schulleitung-Berufsschule und B+U-Lehrperson.
Dies war sehr wichtig, um weitere Schritte abzusprechen.
SBHprofessional war auch immer gerne bereit, auf Rückfragen einzugehen. Ich bedanke mich ganz herzlich für die konstruktive Zusammenarbeit!
Willi Fäh
B+U-Lehrer
obvita, Sehberatung für Kinder und Jugendliche

